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Warum sie im Tierschutz unverzichtbar ist
Wenn ein Hund neu in einer Tierschutzeinrichtung aufgenommen wird, bedeutet das nicht: Transporttür auf und direkt zu den anderen Hunden. So darf eine verantwortungsvolle Aufnahme nicht funktionieren.
Neu aufgenommene Hunde müssen entsprechend der jeweiligen gesundheitlichen Situation sowie den geltenden tierseuchenrechtlichen, tierärztlichen und behördlichen Vorgaben zunächst getrennt vom bestehenden Tierbestand untergebracht und beobachtet werden.
Gerade dort, wo viele Hunde zusammenleben, ist ein konsequentes Quarantäne- und Hygienemanagement unverzichtbar.
Warum ist Quarantäne überhaupt notwendig?
Ein Hund kann völlig gesund aussehen und trotzdem eine Erkrankung in sich tragen.
Viele Infektionskrankheiten besitzen eine sogenannte Inkubationszeit. Das ist der Zeitraum zwischen einer Ansteckung und dem Auftreten der ersten erkennbaren Symptome.
Ein Hund kann also fressen, trinken, spielen und äußerlich vollkommen unauffällig wirken, obwohl sich eine Erkrankung erst später bemerkbar macht.
Gerade bei Hunden aus dem Tierschutz ist die Vorgeschichte außerdem nicht immer vollständig bekannt.
Wo war der Hund zuvor?
Mit welchen Tieren hatte er Kontakt?
Wie wurde er gehalten?
Ist seine medizinische Vorgeschichte vollständig bekannt?
Welche Impfungen wurden tatsächlich durchgeführt und welche sind zuverlässig dokumentiert?
Gab es Durchfall, Erbrechen, Husten oder andere Auffälligkeiten?
Welche Parasiten oder Infektionserkrankungen könnten eine Rolle spielen?
All diese Punkte müssen bei einer Neuaufnahme berücksichtigt werden.
Deshalb ist Quarantäne keine übertriebene Vorsichtsmaßnahme, sondern ein wichtiger Bestandteil eines verantwortungsvollen Bestands- und Infektionsschutzes.
Kein neu aufgenommener Hund gehört sofort in eine bestehende Hundegruppe
Das gilt insbesondere für Einrichtungen, die mit Gruppen- oder Rudelhaltung arbeiten.
Rudelhaltung bedeutet nicht, dass ein neu aufgenommener Hund unmittelbar nach seiner Ankunft zwischen die anderen Hunde gesetzt wird.
Gesundheitliche Absicherung kommt vor sozialer Integration.
Ein Neuankömmling muss zunächst getrennt vom bestehenden Tierbestand untergebracht, gesundheitlich beurteilt und aufmerksam beobachtet werden. Je nach Herkunft, Gesundheitszustand, Vorgeschichte und geltenden Vorgaben können tierärztliche Untersuchungen und weitere diagnostische oder medizinische Maßnahmen erforderlich sein.
Dabei wird unter anderem auf den Allgemeinzustand, die Futteraufnahme, Kotbeschaffenheit, mögliche Magen-Darm-Symptome, Atemwegssymptome, Haut- und Fellveränderungen und andere gesundheitliche Auffälligkeiten geachtet.
Zeigt ein Hund Symptome oder besteht der Verdacht auf eine übertragbare Erkrankung, muss entsprechend tierärztlich abgeklärt und gehandelt werden.
Denn ein unerkannter Infektionsfall kann in einem größeren Hundebestand erhebliche Folgen haben.
Quarantäne und Isolation sind nicht dasselbe
Diese Begriffe werden häufig miteinander verwechselt.
Vereinfacht gesagt dient eine Quarantäne beziehungsweise vorsorgliche Absonderung dazu, Tiere zunächst getrennt zu halten, bei denen aufgrund ihrer Vorgeschichte, eines möglichen Kontaktes oder einer bestimmten Situation ein Infektionsrisiko bestehen könnte.
Von Isolation spricht man dagegen insbesondere bei Tieren, bei denen eine ansteckende Erkrankung bereits festgestellt wurde oder ein konkreter entsprechender Verdacht besteht.
Diese Unterscheidung ist wichtig, weil sich daraus unterschiedliche Anforderungen an Unterbringung, Hygiene, Versorgung und Kontaktmanagement ergeben können.
Nur räumlich trennen reicht nicht
Eine Quarantänestation allein verhindert noch keine Übertragung von Krankheitserregern.
Je nach Erreger können diese nicht nur durch direkten Kontakt von Hund zu Hund übertragen werden. Auch Hände, Kleidung, Schuhe, Näpfe, Leinen, Decken, Transportboxen, Reinigungsgeräte und andere Gegenstände können Übertragungswege darstellen.
Deshalb gehören Reinigung, Hygiene und eine an den jeweiligen Erreger angepasste Desinfektion zwingend zu einem vernünftigen Quarantänemanagement.
Dabei gilt:
Desinfektion ersetzt keine Reinigung.
Kot, Erbrochenes und andere organische Verschmutzungen müssen zunächst fachgerecht entfernt werden. Erst anschließend kann eine geeignete Desinfektion erfolgen.
Außerdem wirkt nicht jedes Desinfektionsmittel gegen jeden Krankheitserreger. Konzentration, Einwirkzeit und Anwendungsbereich müssen stimmen.
Ein bisschen Desinfektionsmittel irgendwo draufzusprühen ist deshalb noch lange keine fachgerechte Desinfektion.
Wie lange muss ein Hund in Quarantäne bleiben?
Darauf gibt es keine einzige Zahl, die für jeden Hund und jede Situation gleichermaßen gilt.
Die erforderliche Dauer und die notwendigen Maßnahmen richten sich unter anderem nach dem Grund der Absonderung, der Herkunft des Hundes, seiner gesundheitlichen Vorgeschichte, möglichen Kontakten, dem vermuteten Krankheitserreger, notwendigen Untersuchungen und den im konkreten Fall geltenden tierärztlichen beziehungsweise behördlichen Vorgaben.
Deshalb sind pauschale Aussagen wie:
„Jeder Hund muss grundsätzlich exakt X Tage in Quarantäne.“
fachlich zu einfach.
Entscheidend ist der konkrete Fall.
Eine angeordnete Quarantäne oder Absonderung darf selbstverständlich auch nicht eigenmächtig beendet werden, nur weil der Hund gesund aussieht.
Wann darf ein Hund zu den anderen?
Nicht einfach dann, wenn er nach einigen Tagen gesund wirkt und unbedingt Kontakt zu anderen Hunden möchte.
Zunächst muss die notwendige gesundheitliche Abklärung beziehungsweise Quarantäne- oder Absonderungsphase abgeschlossen sein.
Erst danach beginnt die soziale Integration.
Und das ist ein vollkommen anderer Bereich.
Gerade in der Rudelhaltung bedeutet Integration nicht: Tür auf und viel Glück.
Der Hund muss beobachtet und eingeschätzt werden.
Wie kommuniziert er?
Wie reagiert er auf andere Hunde?
Kann er deren Körpersprache lesen?
Ist er unsicher oder sehr selbstbewusst?
Wie reagiert er auf Grenzen?
Wie verhält er sich bei Ressourcen wie Futter, Liegeplätzen oder Aufmerksamkeit?
Wie reagiert er unter sozialem Druck?
Und vor allem muss beurteilt werden, welche bestehende Hundegruppe überhaupt zu diesem Hund passt.
Gesundheitliche Quarantäne und soziale Integration sind deshalb zwei völlig unterschiedliche Schritte.
Die Quarantäne dient dem gesundheitlichen Schutz.
Die anschließende kontrollierte Integration dient einem möglichst sicheren und sozial verträglichen Zusammenleben.
Warum ist diese Konsequenz so wichtig?
Weil eine Tierschutzeinrichtung nicht nur Verantwortung für den gerade neu aufgenommenen Hund trägt.
Sie trägt Verantwortung für den gesamten vorhandenen Tierbestand.
Besonders Welpen, alte Hunde, geschwächte Tiere, ungeimpfte Tiere oder Hunde mit bestimmten Vorerkrankungen können durch Infektionskrankheiten erheblich gefährdet sein.
Deshalb darf Mitleid niemals dazu führen, notwendige Schutzmaßnahmen zu überspringen.
Ein Hund möchte vielleicht zu den anderen.
Das ist verständlich.
Aber Verantwortung bedeutet manchmal auch, einen Hund vorübergehend getrennt zu halten, um ihn und alle anderen zu schützen.
Quarantäne ist keine Strafe
Auch dieser Punkt ist wichtig.
Ein Hund versteht nicht, warum er nach einer möglicherweise langen Fahrt, einer Beschlagnahmung, einem Aufenthalt in einer Tötungsstation oder einer anderen belastenden Vorgeschichte plötzlich erneut getrennt untergebracht wird.
Deshalb bedeutet Quarantäne nicht, einen Hund irgendwo wegzusperren und lediglich Futter und Wasser hinzustellen.
Auch während dieser Zeit braucht ein Hund eine fachgerechte Versorgung, Beobachtung, Ruhe, Zuwendung und einen möglichst stressarmen Tagesablauf.
Konsequenter Infektionsschutz und vernünftiger Tierschutz schließen sich nicht gegenseitig aus. Sie gehören zusammen.
Und genau hier beginnt verantwortungsvoller Tierschutz
Einen Hund irgendwo herauszuholen und in einen Transporter zu setzen, ist noch lange nicht das Ende der Arbeit.
Eigentlich beginnt die Verantwortung danach erst richtig.
Ein neu aufgenommener Hund muss gesundheitlich abgesichert, beobachtet und entsprechend den notwendigen Vorgaben versorgt werden.
Erst wenn aus gesundheitlicher Sicht nichts dagegen spricht, darf der nächste Schritt beginnen.
Und bei Gruppen- oder Rudelhaltung ist das die kontrollierte soziale Integration.
Denn professionelle Rudelhaltung bedeutet nicht, möglichst viele Hunde zusammenlaufen zu lassen.
Sie bedeutet, gesundheitliche Risiken zu kontrollieren, Hunde fachlich einzuschätzen, Sozialstrukturen zu verstehen und genau zu überlegen, welcher Hund wann und in welche Gruppe integriert werden kann.
Erst kommt der Gesundheitsschutz. Dann kommt die soziale Integration.
Alles andere wäre kein verantwortungsvoller Umgang mit einem Tierbestand.