Aslan musste operiert werden! 205€/800€. Mehr dazu unter "Tiernotfälle"
Eine Frage begegnet uns im Tierschutz immer wieder:
„Warum verlangt ihr für einen geretteten Hund überhaupt Geld?“
Besonders schnell kommt diese Diskussion auf, wenn ein Hund alt, krank, gehandicapt oder schon lange im Tierschutz ist.
Dann fallen Sätze wie:
„Seid doch froh, wenn ihn überhaupt jemand nimmt.“
„Der Hund ist doch gebraucht.“
„Warum verschenkt ihr ihn nicht einfach?“
Oder sogar: „Ihr verdient doch an den Hunden.“
Und genau deshalb möchte ich einmal ganz sachlich erklären, was eine Schutzgebühr eigentlich ist und warum wir unsere Hunde niemals einfach verschenken würden.
Eine Schutzgebühr ist kein Kaufpreis
Ein Hund aus dem Tierschutz ist keine Ware.
Mit einer Schutzgebühr wird weder sein Leben noch sein persönlicher „Wert“ beziffert.
Denn der Wert eines Lebewesens lässt sich überhaupt nicht in Euro ausdrücken.
Die Schutzgebühr ist vielmehr Bestandteil einer verantwortungsvollen Vermittlung. Sie beteiligt den zukünftigen Halter an einem kleinen Teil der Kosten, die bis zur Vermittlung bereits entstanden sind, und sie erfüllt gleichzeitig eine wichtige Schutzfunktion.
Denn bevor ein Hund überhaupt in sein neues Zuhause ziehen kann, wurde meistens schon erheblich in seine Versorgung investiert.
Was kostet ein Hund im Tierschutz tatsächlich?
Ein Hund kommt nicht herein und zieht am nächsten Tag vollständig versorgt wieder aus.
Je nach Herkunft und Gesundheitszustand benötigt er zunächst eine tierärztliche Untersuchung und medizinische Versorgung.
Dazu können gehören:
Impfungen, Mikrochip, Registrierung, Entwurmung, Parasitenprophylaxe, Kastration, Blutuntersuchungen, Tests auf Infektionskrankheiten, Medikamente, bildgebende Diagnostik, Operationen und entsprechende Nachbehandlungen.
Bei kranken, verletzten, alten oder chronisch erkrankten Hunden können die medizinischen Kosten innerhalb kürzester Zeit ein Vielfaches einer späteren Schutzgebühr erreichen.
Und damit hat der Hund noch keinen einzigen Tag gefressen.
Während seines gesamten Aufenthalts benötigt er Futter, Wasser, einen sicheren Schlafplatz, Hygieneartikel und je nach Hund beispielsweise Geschirr, Halsband, Leine, Maulkorb, Decken oder besondere Futtermittel.
Dazu kommen die Kosten einer Tierschutzeinrichtung selbst.
Wasser und Strom müssen bezahlt werden. Gehege, Zäune und Gebäude müssen instand gehalten werden. Waschmaschinen laufen. Es werden Reinigungs- und Desinfektionsmittel benötigt. Fahrzeuge müssen betankt und gewartet werden.
Tierarztfahrten, Rettungsfahrten und Transporte verursachen ebenfalls Kosten.
Bei Auslandstierschutz kommen zusätzlich die gesetzlich vorgeschriebenen Dokumente und die ordnungsgemäße Verbringung beziehungsweise der Transport ins neue Zuhause hinzu.
Und all diese Kosten entstehen unabhängig davon, ob ein Hund drei Wochen, sechs Monate oder mehrere Jahre bei uns lebt.
Verdienen wir an einer Schutzgebühr?
Diese Behauptung hält einer einfachen Rechnung meistens nicht lange stand.
Nehmen wir einen Hund auf, versorgen ihn über einen längeren Zeitraum, lassen ihn tierärztlich untersuchen, impfen, chippen, kastrieren und gegebenenfalls behandeln, entstehen bereits erhebliche Kosten.
Muss dieser Hund zusätzlich operiert werden oder benötigt dauerhaft Medikamente oder Spezialfutter, steigen diese Ausgaben entsprechend weiter.
Eine Schutzgebühr kann deshalb in vielen Fällen nicht einmal annähernd die tatsächlich entstandenen Gesamtkosten decken.
Und genau das muss man verstehen:
Eine Schutzgebühr ist keine Gewinnspanne.
Sie ist ein Beitrag zu den Kosten, die durch die Rettung, Versorgung und Vorbereitung auf ein neues Zuhause entstanden sind.
Dass ein junger, gesunder Hund möglicherweise weniger Kosten verursacht als ein alter, schwer kranker Hund, gehört ebenfalls zur Realität des Tierschutzes.
Wir stellen schließlich keinem Hund am Ende eine persönliche Rechnung aus.
Die Gemeinschaft trägt auch diejenigen mit, deren Versorgung erheblich mehr kostet, als jemals durch eine Schutzgebühr zurückkommen könnte.
Noch wichtiger ist aber das Wort „Schutz“
Für mich ist dieser Punkt mindestens genauso entscheidend wie die finanziellen Kosten.
Wir verschenken unsere Hunde nicht an Privatpersonen.
Nicht, weil ein Mensch automatisch ein guter Halter ist, nur weil er eine Schutzgebühr bezahlen kann.
Und selbstverständlich ersetzt Geld niemals eine sorgfältige Vermittlung, Selbstauskunft, Gespräche und Kontrolle.
Aber eine Schutzgebühr schafft eine zusätzliche Hürde gegen spontane und vollkommen unverbindliche Übernahmen.
Wer einen Hund adoptiert, übernimmt Verantwortung für ein Lebewesen, möglicherweise für die nächsten zehn oder fünfzehn Jahre.
Diese Entscheidung sollte niemals getroffen werden, nur weil irgendwo steht:
„Hund kostenlos abzugeben.“
Kostenlose Tiere können leichter spontan mitgenommen und ebenso schnell wieder weitergegeben werden.
Im schlimmsten Fall geraten sie in Hände, in denen sie niemals hätten landen dürfen.
Deshalb besteht eine verantwortungsvolle Vermittlung immer aus mehreren Bausteinen.
Interessenten werden geprüft. Die Lebensumstände werden besprochen. Es wird geschaut, ob Mensch und Hund überhaupt zusammenpassen. Es gibt einen Schutzvertrag und eine Schutzgebühr.
Die Schutzgebühr allein schützt keinen Hund. Aber sie ist ein Bestandteil des gesamten Vermittlungsschutzes.
„Aber der Hund ist doch alt oder krank.“
Gerade diese Aussage finde ich schwierig.
Was soll das Alter eines Hundes über seinen Wert aussagen?
Ist ein zwölfjähriger Hund weniger wert als ein zweijähriger?
Ist ein Hund mit Handicap weniger wert als ein gesunder?
Ist ein chronisch kranker Hund plötzlich ein Lebewesen, das man kostenlos abgeben sollte? Nein.
Gerade ältere und kranke Hunde haben häufig bereits enorme Kosten verursacht und werden auch in ihrem neuen Zuhause weitere Kosten verursachen.
Und genau deshalb muss einem zukünftigen Halter bewusst sein, welche Verantwortung er übernimmt.
Wer bereits an einer Schutzgebühr scheitert, sollte sich zumindest sehr ernsthaft fragen, wie zukünftige Tierarztkosten, Medikamente, hochwertiges Futter oder ein plötzlich auftretender medizinischer Notfall finanziert werden sollen.
Denn mit der Adoption endet eines ganz sicher nicht:
Die finanzielle Verantwortung für einen Hund.
Ein Hund kostet auch nach der Adoption Geld
Futter kostet Geld.
Tierärztliche Versorgung kostet Geld.
Impfungen und Parasitenprophylaxe kosten Geld.
Je nach Land und individueller Situation kommen Hundesteuer, Versicherungen und weitere gesetzliche oder organisatorische Kosten hinzu.
Ein kaputter Zahn kostet Geld.
Eine Verletzung kostet Geld.
Eine chronische Erkrankung kann über Jahre Geld kosten.
Und eine notwendige Operation kann schnell eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen.
Wer einen Hund übernimmt, sollte sich deshalb nicht nur fragen:
„Kann ich die Schutzgebühr bezahlen?“
Die viel wichtigere Frage lautet:
„Kann ich für diesen Hund auch dann sorgen, wenn er mich plötzlich richtig Geld kostet?“
Denn genau diese Verantwortung übernimmt man mit einer Adoption.
Deshalb verschenken wir keine Hunde
Wir haben Verantwortung für diese Tiere übernommen.
Viele von ihnen wurden bereits einmal enttäuscht, abgeschoben, ausgesetzt oder nicht ausreichend versorgt.
Unsere Aufgabe besteht nicht darin, sie möglichst schnell irgendwo unterzubringen.
Unsere Aufgabe ist es, für sie das richtige Zuhause zu finden.
Dazu gehört für uns eine vernünftige Überprüfung der Interessenten genauso wie ein Schutzvertrag und eine Schutzgebühr.
Und ja, auch für einen alten Hund.
Auch für einen kranken Hund.
Auch für einen Hund mit Handicap.
Nicht weil wir mit seinem Schicksal Geld verdienen möchten.
Sondern weil wir möchten, dass die Entscheidung für genau diesen Hund bewusst und verantwortungsvoll getroffen wird. Tierschutz kostet Geld. Verantwortungsvolle Hundehaltung kostet Geld. Das mag nicht romantisch klingen, aber es gehört zur Wahrheit dazu.
Und deshalb sollte sich niemand im seriösen Tierschutz dafür rechtfertigen müssen, dass für die Vermittlung eines vollständig versorgten Hundes eine angemessene Schutzgebühr erhoben wird.
Denn wir verkaufen keine Hunde. Wir investieren Geld, Zeit, Arbeit, Erfahrung und sehr viel Herz darin, ihnen eine zweite Chance zu geben.
Und wenn sie irgendwann ihre Köfferchen packen und in ihr eigenes Zuhause ziehen, dann bekommen die neuen Menschen dafür etwas, dessen tatsächlichen Wert sowieso keine Schutzgebühr dieser Welt ausdrücken könnte:
Das Vertrauen und das Leben eines Lebewesens. Und genau das ist unbezahlbar.