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Parvovirose, kurz Parvo.
Und bevor wir überhaupt anfangen, möchte ich eines ganz deutlich sagen:
Parvo ist keine reine Welpenkrankheit.
Welpen und junge, ungeimpfte oder noch nicht vollständig geschützte Hunde sind besonders gefährdet. Aber auch ausgewachsene und ältere Hunde können an Parvovirose erkranken, wenn ihnen ein ausreichender Immunschutz fehlt.
Wir selbst kennen beide Seiten.
Wir hatten bereits Welpen, die an Parvo erkrankt sind, und auch ausgewachsene Hunde mit Parvovirose.
Bei unseren Welpen haben leider nicht alle diesen Kampf gewonnen. Einige sind trotz sofortiger tierärztlicher Behandlung verstorben. Andere haben es geschafft und die Erkrankung überlebt.
Bei unseren bisher erkrankten ausgewachsenen Hunden hatten wir dagegen glücklicherweise keinen Todesfall. Auch sie wurden selbstverständlich tierärztlich behandelt und konnten die Erkrankung bisher alle überstehen.
Das ist unsere persönliche Erfahrung und keine allgemeingültige Aussage darüber, wie Parvo bei einem bestimmten Hund verlaufen wird.
Denn auch ein ausgewachsener Hund kann schwer an Parvovirose erkranken und daran sterben.
PARVO GEHÖRT LEIDER AUCH ZUR REALITÄT IM TIERSCHUTZ
Und genau darüber muss gesprochen werden.
Im Tierschutz haben wir es mit Hunden aus den unterschiedlichsten Verhältnissen und mit den unterschiedlichsten Vorgeschichten zu tun.
Nicht bei jedem Hund ist die medizinische Vorgeschichte vollständig bekannt. Impfstatus, frühere Erkrankungen und mögliche Kontakte zu Krankheitserregern lassen sich gerade bei Hunden unbekannter Herkunft nicht immer lückenlos nachvollziehen.
Deshalb gehören Infektionskrankheiten leider ebenfalls zu den Themen, mit denen man sich im Tierschutz auseinandersetzen muss.
Das bedeutet nicht, dass man sie verharmlosen darf.
Ganz im Gegenteil.
Aber ich halte überhaupt nichts davon, Krankheiten wie Parvo zu einem Tabuthema zu machen oder bei einem Parvo-Fall automatisch davon auszugehen, irgendwo müsse schlecht oder unhygienisch gearbeitet worden sein.
Entscheidend ist der verantwortungsvolle Umgang mit einer solchen Erkrankung.
Erkennen. Testen. Isolieren. Tierärztlich behandeln lassen. Konsequente Hygiene. Andere Hunde schützen.
Und offen darüber sprechen.
WAS IST PARVOVIROSE?
Die canine Parvovirose ist eine hochansteckende Viruserkrankung, die durch das canine Parvovirus verursacht wird.
Das Virus befällt bevorzugt Zellen, die sich schnell teilen. Besonders betroffen sind unter anderem die Zellen der Darmschleimhaut und des Knochenmarks.
Im Darm kann dadurch eine massive Schädigung entstehen.
Der Hund kann durch Erbrechen und Durchfall große Mengen Flüssigkeit und Elektrolyte verlieren. Zusätzlich kann Eiweiß verloren gehen.
Gleichzeitig kann die natürliche Schutzbarriere des Darms so stark geschädigt werden, dass Bakterien aus dem Darm in den Körper gelangen können.
Auch die Zahl wichtiger weißer Blutkörperchen kann deutlich absinken.
Diese Kombination aus Flüssigkeitsverlust, Störungen des Elektrolythaushalts, geschädigter Darmbarriere und beeinträchtigter Immunabwehr kann im schweren Verlauf zu Sepsis, Kreislaufversagen und zum Tod führen.
Und genau deshalb ist Parvo eine Erkrankung, die man niemals unterschätzen darf.
WIE STECKT SICH EIN HUND AN?
Parvoviren werden vor allem über den Kot infizierter Hunde ausgeschieden.
Aber ein Hund muss nicht einmal direkten Kontakt mit einem erkrankten Tier haben, um sich anzustecken.
Viruspartikel können indirekt über kontaminierte Gegenstände und Flächen weitergetragen werden.
Zum Beispiel über Schuhe, Kleidung, Hände, Näpfe, Transportboxen, Decken, Böden oder Reinigungsutensilien.
Und genau hier liegt eines der großen Probleme:
Das Parvovirus ist extrem widerstandsfähig.
Es kann in einer kontaminierten Umgebung über lange Zeit infektiös bleiben.
Gerade in Tierheimen, Auffangstationen und überall dort, wo viele Hunde versorgt werden, sind deshalb konsequente Hygiene, geeignete Schutzmaßnahmen und ein schnelles Handeln bei einem Verdachtsfall besonders wichtig.
WIE MACHT SICH PARVO BEMERKBAR?
Viele Menschen denken bei Parvo sofort an blutigen Durchfall.
Aber darauf sollte man niemals warten.
Die ersten Anzeichen können wesentlich unscheinbarer sein.
Der Hund wird plötzlich ruhiger.
Er frisst schlechter oder überhaupt nicht mehr.
Er wirkt müde, abgeschlagen oder zieht sich zurück.
Im weiteren Verlauf können unter anderem auftreten:
• starke Müdigkeit und Schwäche
• Appetitlosigkeit
• Erbrechen
• starker Durchfall, der auch blutig sein kann
• Bauchschmerzen
• Fieber oder auch Untertemperatur
• Austrocknung
• Kreislaufprobleme
Bei schweren Verläufen können Schock und Sepsis hinzukommen.
Besonders bei Welpen kann sich der Zustand innerhalb kürzester Zeit massiv verschlechtern.
Und deshalb gibt es bei uns bei einem entsprechenden Verdacht kein langes Beobachten.
Lieber einmal zu früh reagieren als einmal zu spät
WIE WIRD PARVO FESTGESTELLT?
Zur Diagnose wird häufig ein Kot-Antigen-Schnelltest eingesetzt.
Zusätzlich können Blutuntersuchungen wichtige Informationen über den Zustand des Hundes liefern.
Dabei können beispielsweise Veränderungen der weißen Blutkörperchen sowie der Flüssigkeits-, Elektrolyt- und Blutzuckerhaushalt und weitere Werte beurteilt werden.
Wichtig ist aber:
Ein negativer Schnelltest kann eine Parvovirose nicht in jeder Situation sicher ausschließen.
Der Zeitpunkt der Untersuchung spielt dabei eine Rolle.
Besteht trotz negativem Schnelltest ein starker klinischer Verdacht, kann der Tierarzt weitere Untersuchungen veranlassen, beispielsweise eine Wiederholung des Tests oder eine PCR-Untersuchung.
Auch eine kürzlich erfolgte Impfung mit bestimmten Lebendimpfstoffen kann bei der Interpretation diagnostischer Ergebnisse eine Rolle spielen.
Deshalb gehört immer das gesamte klinische Bild des Hundes zur Beurteilung und nicht nur ein einzelner Teststreifen.
PARVO GEHÖRT IN TIERÄRZTLICHE HÄNDE
Und dieser Punkt ist mir besonders wichtig.
Wir geben hier bewusst keine Anleitung zur Behandlung, keine Medikamentenempfehlungen und keine Dosierungen.
Denn wir behandeln Parvovirose auch selbst nicht auf eigene Faust.
Ein Hund mit Verdacht auf Parvo gehört für uns in tierärztliche Hände.
Und gerade bei einem Welpen verlieren wir keine Zeit.
Unsere Welpen gehen bei Parvo beziehungsweise einem entsprechenden dringenden Verdacht sofort in die Tierklinik.
Dort werden sie untersucht, diagnostiziert, entsprechend ihres Zustandes behandelt und überwacht.
Denn bei einem Welpen können Flüssigkeitsverlust, Elektrolytverschiebungen, Unterzuckerung, Kreislaufprobleme und weitere Komplikationen innerhalb kurzer Zeit lebensbedrohlich werden.
Und trotzdem muss man bei dieser Erkrankung auch eine bittere Wahrheit aussprechen:
Nicht jeder Welpe schafft es.
Wir haben Welpen trotz sofortiger tierärztlicher beziehungsweise klinischer Behandlung an Parvovirose verloren.
Nicht weil nicht behandelt wurde.
Nicht weil zu Hause herumexperimentiert wurde.
Sondern weil Parvovirose trotz moderner tiermedizinischer Behandlung eine schwere und potenziell tödliche Erkrankung bleibt.
Wir haben aber genauso Welpen erlebt, die es geschafft haben.
WAS PASSIERT BEI DER BEHANDLUNG?
Auch hier möchte ich bewusst keine Anleitung zur Selbstbehandlung geben.
Aber ich finde es wichtig zu erklären, was eine Tierklinik bei einem Parvo-Patienten grundsätzlich erreichen möchte.
Ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung ist die Stabilisierung des Hundes.
Der teilweise massive Flüssigkeitsverlust muss ausgeglichen werden. Elektrolyte und Blutzucker müssen je nach Zustand überwacht und gegebenenfalls korrigiert werden.
Übelkeit und Erbrechen müssen kontrolliert werden.
Schmerzen müssen behandelt werden.
Die Ernährung spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Nach heutigem Wissensstand kann eine frühzeitige Ernährung über den Magen-Darm-Trakt Vorteile haben, sobald der Zustand des Patienten dies zulässt.
Durch die schwere Schädigung der Darmwand können außerdem Bakterien aus dem Darm in den Körper gelangen. Gleichzeitig kann die Zahl der weißen Blutkörperchen deutlich vermindert sein. Deshalb können bei entsprechenden Patienten auch Antibiotika notwendig werden.
Nicht um das Parvovirus selbst zu behandeln, denn Antibiotika wirken nicht gegen Viren, sondern um gefährliche bakterielle Komplikationen zu behandeln beziehungsweise ihnen entgegenzuwirken.
Welche Maßnahmen ein Hund tatsächlich benötigt, entscheidet der behandelnde Tierarzt anhand seines Zustandes.
Und genau dort gehört diese Entscheidung hin.
WIE SIND DIE ÜBERLEBENSCHANCEN?
Parvo ist ernst.
Aber: Eine positive Parvo-Diagnose bedeutet nicht automatisch ein Todesurteil.
Mit konsequenter medizinischer Behandlung können sehr gute Überlebensraten erreicht werden.
In der tiermedizinischen Fachliteratur werden bei intensiver stationärer Behandlung Überlebensraten von über 90 Prozent beschrieben.
Das bedeutet aber eben auch:
Es gibt keine Garantie.
Alter, Immunstatus, Allgemeinzustand, Schweregrad der Erkrankung, vorhandene Komplikationen und der Zeitpunkt des Behandlungsbeginns können die Prognose beeinflussen.
Und genau das haben wir selbst erfahren.
UNSERE ERFAHRUNG MIT WELPEN
Wir hatten bereits mehrere Welpen mit Parvovirose.
Und bei uns bedeutet ein solcher Verdacht:
Tierklinik. Sofort.
Wir behandeln diese Welpen nicht selbst.
Sie werden dort entsprechend ihres individuellen Zustandes medizinisch versorgt und überwacht.
Einige unserer Welpen haben diesen Kampf gewonnen.
Andere haben es leider trotz Behandlung nicht geschafft.
Und genau deshalb möchte ich auch niemals den Eindruck vermitteln, man müsse bei Parvo nur „das Richtige geben“ und dann würde automatisch jeder Hund überleben.
So funktioniert diese Krankheit nicht.
Man kann schnell reagieren.
Man kann alles medizinisch Mögliche tun.
Man kann kämpfen.
Und trotzdem kann man verlieren.
Das ist eine der bittersten Seiten dieser Krankheit.
UNSERE ERFAHRUNG MIT AUSGEWACHSENEN HUNDEN
Auch ausgewachsene Hunde mit Parvovirose haben wir bereits erlebt.
Und selbstverständlich wurden auch diese Hunde tierärztlich behandelt.
Hier hatten wir bisher das große Glück, keinen Todesfall zu haben.
Alle unsere bisher betroffenen ausgewachsenen Hunde konnten die Erkrankung mit entsprechender tierärztlicher Behandlung überstehen.
Aber auch hier sage ich ganz deutlich:
Das ist unsere persönliche Erfahrung.
Daraus darf niemand ableiten, dass Parvo bei einem ausgewachsenen Hund ungefährlich wäre.
Das ist sie nicht.
Auch ein erwachsener oder älterer Hund kann schwer erkranken und an den Folgen einer Parvovirose sterben.
NEUE BEHANDLUNGSMÖGLICHKEITEN
Inzwischen gibt es in einigen Ländern zusätzlich einen speziell gegen das canine Parvovirus gerichteten monoklonalen Antikörper.
Das ist eine wichtige Entwicklung, weil damit eine gezielt gegen das Virus gerichtete Behandlungsmöglichkeit zur Verfügung steht.
Die Verfügbarkeit und Zulassung unterscheiden sich allerdings je nach Land.
Und auch diese Behandlung bedeutet nicht, dass die übrige medizinische Versorgung eines schwer erkrankten Hundes plötzlich unnötig wäre.
Welche Behandlung sinnvoll und verfügbar ist, gehört deshalb ebenfalls mit dem behandelnden Tierarzt beziehungsweise der Tierklinik besprochen.
HYGIENE BEI PARVO
Bei einem Parvo-Verdacht gibt es für uns keine halben Sachen.
Isolation.
Ein erkrankter oder dringend verdächtiger Hund muss von gefährdeten anderen Hunden getrennt werden.
Eigene Näpfe.
Eigene Decken.
Eigene Reinigungsutensilien.
Auch Schuhe, Kleidung und Hände können bei der indirekten Weiterverbreitung eine Rolle spielen.
Kot und andere organische Verschmutzungen müssen sorgfältig entfernt werden.
Anschließend muss ein Desinfektionsmittel verwendet werden, dessen Wirksamkeit gegen Parvoviren tatsächlich nachgewiesen ist.
Denn:
Nicht jedes normale Desinfektionsmittel wirkt zuverlässig gegen Parvoviren.
Konzentration, Anwendung und vorgeschriebene Einwirkzeit des jeweiligen Produkts müssen eingehalten werden.
Besonders schwierig sind Erde, Gras und andere poröse oder nicht vernünftig zu desinfizierende Bereiche.
Gerade im Tierschutz bedeutet ein Parvo-Fall deshalb nicht nur, sich um den einen erkrankten Hund zu kümmern.
Gleichzeitig müssen alle Maßnahmen getroffen werden, um weitere Hunde zu schützen.
DIE IMPFUNG GEGEN PARVO
Die Impfung gehört zu den wichtigsten Möglichkeiten, Hunde vor Parvovirose zu schützen.
Parvovirus gehört zu den sogenannten Core-Impfkomponenten beim Hund.
Gerade bei Welpen ist wichtig zu verstehen, dass eine einzelne frühe Impfung nicht automatisch einen zuverlässigen Schutz garantiert.
Der Grund dafür sind unter anderem die mütterlichen Antikörper.
Diese können den Welpen in den ersten Lebenswochen schützen, gleichzeitig aber die Immunantwort auf eine Impfung beeinträchtigen.
Deshalb werden Welpen mehrfach geimpft.
Nach den aktuellen internationalen WSAVA-Impfempfehlungen soll die Grundimmunisierung mit Core-Impfstoffen bei Welpen nicht vor einem Alter von etwa sechs Wochen beginnen und anschließend in Abständen von ungefähr drei bis vier Wochen fortgeführt werden, bis mindestens zur 16. Lebenswoche.
In Situationen mit besonders hohem Infektionsrisiko können angepasste Impfprotokolle erforderlich sein.
Die WSAVA empfiehlt nach Abschluss der Welpenserie außerdem entweder eine serologische Kontrolle frühestens vier Wochen nach der letzten Welpenimpfung oder eine weitere Core-Impfung mit ungefähr 26 Wochen oder kurz danach.
Der konkrete Impfplan muss immer mit dem Tierarzt abgestimmt werden und richtet sich unter anderem nach Alter, verwendetem Impfstoff und individuellem Infektionsrisiko.
Gerade im Tierschutz ist ein konsequentes Impfmanagement unglaublich wichtig.
WARUM WIR ÜBER PARVO SPRECHEN
Weil Parvo existiert.
Weil wir sie erlebt haben.
Und weil Infektionskrankheiten leider auch zum Tierschutz gehören.
Wer im Tierschutz arbeitet und Tiere mit unterschiedlichsten Vorgeschichten versorgt, wird zwangsläufig auch mit Krankheiten konfrontiert.
Das ist keine Schande und nichts, was man verstecken muss.
Entscheidend ist der verantwortungsvolle Umgang damit.
Für mich zeigt sich guter Tierschutz nicht darin, behaupten zu können:
„Bei uns wird niemals ein Hund krank.“
Das wäre schlichtweg unrealistisch.
Verantwortung zeigt sich darin, was passiert, wenn ein Hund krank wird.
Wird schnell reagiert?
Wird tierärztlich abgeklärt?
Wird isoliert?
Wird behandelt?
Werden die anderen Hunde geschützt?
Wird konsequent gereinigt und desinfiziert?
Und wird offen und ehrlich damit umgegangen?
Denn Tierschutz besteht nicht nur aus wunderschönen Rettungen, glücklichen Vermittlungen und tollen Vorher-Nachher-Bildern.
Tierschutz bedeutet auch Krankheit.
Tierschutz bedeutet Verantwortung.
Tierschutz bedeutet kämpfen.
Und manchmal bedeutet Tierschutz leider auch verlieren.
Wir haben Welpen an Parvo verloren.
Wir haben aber auch Welpen durchgebracht.
Und wir hatten ausgewachsene Hunde, die diese Krankheit mit tierärztlicher Behandlung überstanden haben.
Wir kennen also mehr als eine Seite dieser verdammten Krankheit.
Und vielleicht ist genau deshalb unsere wichtigste Botschaft:
Parvo niemals unterschätzen. Aber einen Hund aufgrund der Diagnose auch nicht automatisch aufgeben.
Bei Verdacht nicht selbst herumprobieren und keine wertvolle Zeit verlieren.
Tierarzt. Tierklinik. Diagnostik. Isolation. Behandlung.
Denn Parvo kann tödlich sein.
Aber Parvo bedeutet nicht automatisch das Ende.