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Darmverschluss beim Hund – da hört für mich das Abwarten auf
Ein Darmverschluss ist so eine Sache, bei der ich ganz klar sage: Da wird nicht bis morgen gewartet und auch nicht erst einmal geschaut, ob es vielleicht von alleine besser wird.
Denn wenn im Darm wirklich etwas feststeckt und nichts mehr richtig weitergeht, kann aus einem Hund, der morgens vielleicht „nur“ erbricht und keinen Appetit hat, innerhalb relativ kurzer Zeit ein echter Notfall werden.
Medizinisch nennt man einen Darmverschluss Ileus beziehungsweise intestinale Obstruktion. Vereinfacht gesagt bedeutet das: Irgendwo im Darm geht es nicht mehr weiter oder nur noch teilweise weiter.
Und gleich mit einem Irrtum aufräumen: Ein Hund mit Darmverschluss muss nicht automatisch keinen Kot mehr absetzen. Gerade bei einem Teilverschluss kann durchaus noch Kot kommen, manchmal sogar Durchfall. „Er hat heute gekackt, also kann es kein Darmverschluss sein“ ist deshalb leider keine sichere Aussage.
Wie kommt es überhaupt zu einem Darmverschluss?
Bei Hunden natürlich gerne durch Dinge, bei denen wir Menschen uns fragen: Warum zur Hölle frisst man sowas?
Socken, Stofffetzen, Spielzeug, Steine, Knochenstücke, Maiskolben, Plastik und alles Mögliche, was eigentlich definitiv nicht in einen Hund gehört.
Besonders übel finde ich Schnüre, Fäden oder Bänder. Die können sich irgendwo festsetzen, während der Darm weiterarbeitet. Dadurch kann sich der Darm regelrecht zusammenziehen und auffalten. Das kann richtig schwere Verletzungen verursachen.
Aber ein Darmverschluss muss nicht immer bedeuten, dass der Hund etwas gefressen hat. Auch Tumoren, Verengungen, ein verdrehter Darm oder eine sogenannte Invagination können dahinterstecken. Bei einer Invagination schiebt sich, einfach erklärt, ein Stück Darm in das nächste hinein.
Was macht das Ganze so gefährlich?
Das Problem ist nicht nur, dass Futter und Darminhalt nicht mehr weiterkommen.
Vor der verschlossenen Stelle sammeln sich Flüssigkeit und Gase, der Darm bläht sich auf und irgendwann kann die Durchblutung der Darmwand darunter leiden.
Und ab diesem Punkt wird es richtig ernst.
Wird ein Darmabschnitt nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt, kann Gewebe absterben. Medizinisch nennt man das eine Nekrose.
Im schlimmsten Fall wird die Darmwand so stark geschädigt, dass sie undicht wird oder sogar reißt. Dann können Darminhalt und Bakterien in die Bauchhöhle gelangen. Daraus kann eine schwere Bauchfellentzündung, eine sogenannte Peritonitis, entstehen.
Und wenn das Ganze weiter eskaliert, kann der gesamte Organismus reagieren. Eine Sepsis und ein Kreislaufschock können die Folge sein.
Deshalb bin ich bei so etwas wirklich schmerzfrei: Hund einpacken und ab zum Tierarzt oder in die Tierklinik.
Nicht googeln, nicht drei Tage beobachten und bitte auch keine Hausmittel ausprobieren.
Woran kann ich einen Darmverschluss erkennen?
Das Gemeine daran ist: Es gibt nicht dieses eine Zeichen, bei dem man sofort sagen kann: Das ist definitiv ein Darmverschluss.
Häufig fängt es mit Erbrechen an. Manche Hunde erbrechen immer wieder, wollen plötzlich nichts mehr fressen, werden ungewöhnlich ruhig oder wirken einfach nicht wie sonst.
Bauchschmerzen sind ebenfalls typisch. Der Hund kann einen angespannten Bauch haben, unruhig sein, ständig seine Position wechseln oder sich plötzlich nicht mehr gerne am Bauch anfassen lassen.
Dazu können Schwäche, Austrocknung, Durchfall oder fehlender beziehungsweise deutlich weniger Kotabsatz kommen.
Bei einem schweren Verlauf kann der Kreislauf irgendwann richtig Probleme bekommen.
Und bitte merkt euch eines: Nicht jeder Hund zeigt Schmerzen so, wie wir Menschen uns das vorstellen.
Es gibt Hunde, die machen ein riesiges Theater wegen einer Kleinigkeit, und es gibt Hunde, die stehen noch vor einem, wedeln und funktionieren irgendwie weiter, obwohl im Körper längst richtig was los ist.
Deshalb zählt immer das Gesamtbild.
Wie findet der Tierarzt heraus, was los ist?
Der Hund wird untersucht und der Bauch abgetastet. Je nach Befund folgen meistens Röntgen und/oder Ultraschall.
Und nur weil man auf einem Röntgenbild keinen Gegenstand sieht, heißt das noch lange nicht, dass keiner da ist. Nicht jeder Fremdkörper lässt sich auf einem normalen Röntgenbild schön sichtbar darstellen.
Der Tierarzt kann aber Veränderungen erkennen, zum Beispiel stark aufgeblähte oder mit Flüssigkeit gefüllte Darmschlingen.
Zusätzlich wird häufig Blut abgenommen. Damit kann man unter anderem sehen, wie es um den Flüssigkeitshaushalt, die Elektrolyte, mögliche Entzündungsreaktionen und den allgemeinen Zustand des Hundes steht.
Je nach Fall können weitere Untersuchungen notwendig werden.
Bedeutet Darmverschluss automatisch Operation?
Nicht automatisch, aber eben sehr häufig.
Es gibt Fremdkörper, die klein und glatt genug sind, um weiterzuwandern und auf natürlichem Weg wieder herauszukommen. Ob man darauf warten kann, entscheidet aber bitte der Tierarzt und nicht wir zu Hause.
Liegt ein geeigneter Fremdkörper noch im Magen, kann er manchmal mit einem Endoskop herausgeholt werden, ohne den Bauch operativ öffnen zu müssen.
Steckt das Ding aber im Darm fest, wandert nicht weiter oder ist der Darm bereits gefährdet, führt häufig kein Weg an einer Operation vorbei.
Dann wird der Darm geöffnet und der Fremdkörper entfernt. Das nennt man Enterotomie.
Ist ein Stück Darm bereits so schwer geschädigt oder abgestorben, dass es nicht mehr gerettet werden kann, muss dieser Abschnitt entfernt werden. Die gesunden Darmenden werden anschließend wieder miteinander verbunden. Das nennt man Resektion und Anastomose.
Und genau deshalb macht es eben einen gewaltigen Unterschied, ob ich rechtzeitig fahre oder erst dann, wenn der Hund schon richtig schlecht dran ist.
Nach der Operation ist nicht automatisch alles vorbei
Auch das wird gerne unterschätzt.
Nach einer Darmoperation muss ein Hund gut überwacht werden. Eine der Komplikationen, die wirklich niemand haben möchte, ist, dass die Darmnaht nicht richtig hält. Fachlich spricht man von einer Nahtinsuffizienz beziehungsweise Dehiszenz.
Dann kann Darminhalt in die Bauchhöhle gelangen und wir sind wieder beim Thema Bauchfellentzündung und im schlimmsten Fall Sepsis.
Wird ein Hund nach einer solchen Operation plötzlich wieder deutlich schlechter, erbricht, bekommt starke Bauchschmerzen, wird extrem matt, bekommt Fieber oder der Bauch verändert sich auffällig, gehört er sofort wieder zum Tierarzt.
Nicht am nächsten Morgen. Nicht nach dem Wochenende. Sofort.
Was ich euch wirklich mitgeben möchte
Wir erleben im Tierschutz genug Hunde, und eines habe ich über die Jahre gelernt: Hunde funktionieren nicht nach Lehrbuch.
Nur weil Symptom A fehlt, heißt das nicht, dass Krankheit B ausgeschlossen ist.
Und gerade beim Darmverschluss kann dieses „Wir warten noch ein bisschen“ richtig nach hinten losgehen.
Wenn euer Hund plötzlich mehrfach erbricht, nichts mehr fressen möchte, Bauchschmerzen hat, ungewöhnlich ruhig oder schwach wird oder ihr sogar gesehen habt, dass er irgendeinen Mist gefressen hat, der definitiv nicht in einen Hund gehört, dann lasst ihn untersuchen.
Und wenn ihr gesehen habt, dass euer Hund einen gefährlichen Fremdkörper verschluckt hat, wartet bitte nicht erst darauf, dass es ihm schlecht geht.
Denn am Ende macht es einen verdammt großen Unterschied, ob ein Fremdkörper rechtzeitig entfernt werden kann oder ob der Darm bereits so geschädigt ist, dass Teile davon entfernt werden müssen.
Lieber einmal in der Tierklinik stehen und hinterher hören: „Alles gut“, als zu Hause sitzen und sich irgendwann fragen müssen, warum man eigentlich so lange gewartet hat.