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Für uns eine Frage der Verantwortung
Über Kastration kann man diskutieren. Wir im Tierschutz sehen allerdings jeden Tag, wohin unkontrollierte Vermehrung führt und deshalb haben wir dazu eine ziemlich klare Meinung. Es werden immer noch viel zu viele Hunde geboren, für die es überhaupt keinen vernünftigen Platz gibt. Sie werden angeschafft, weitergegeben, ausgesetzt oder landen irgendwann im Tierheim oder in einer Tötungsstation. Und am Ende sollen Tierschützer auffangen, was durch Verantwortungslosigkeit überhaupt erst entstanden ist.
Das kann auf Dauer nicht funktionieren. Irgendwann muss Schluss sein mit „Die Welpen werden wir schon los“
Dieser Satz macht uns wirklich wütend. Ein Hund ist keine Ware, die man irgendwie unter die Leute bringen muss. Jeder einzelne Hund kann zehn, zwölf, fünfzehn Jahre oder länger leben und braucht in dieser gesamten Zeit Versorgung, medizinische Betreuung, Erziehung, Sicherheit und einen Menschen, der die Verantwortung nicht beim ersten Problem wieder abgibt.
Ein Wurf besteht nicht aus ein paar süßen Welpen. Er besteht aus zukünftigen erwachsenen Hunden, für die langfristig gute Plätze vorhanden sein müssen. Und genau daran fehlt es. Für uns müsste Kastration viel stärker verpflichtend geregelt werden Ja, das sagen wir ganz bewusst so deutlich. Aus unserer Sicht sollte es eine Kastrationspflicht geben, wenn mit einem Tier nicht nach klaren, verantwortungsvollen und kontrollierten Voraussetzungen gezüchtet wird.
Nicht jeder, der einen Rüden und eine Hündin besitzt, muss Nachwuchs produzieren. Nicht jeder Hund muss sich einmal fortgepflanzt haben. Und eine Hündin muss ganz sicher nicht „wenigstens einmal Welpen bekommen“. Dieses Denken gehört endlich in die Vergangenheit. Wer Tiere miteinander verpaart, übernimmt Verantwortung für jedes einzelne Leben, das daraus entsteht. Nicht nur bis zur Abgabe mit ein paar Wochen oder Monaten, sondern für die Konsequenzen dieser Vermehrung.
Und dieses „Ups, jetzt ist sie halt trächtig“ ist für uns keine ausreichende Entschuldigung.
Fortpflanzung bei Haustieren ist etwas, das wir Menschen kontrollieren können. Dann sollten wir verdammt noch mal auch die Verantwortung dafür übernehmen. Kastration ist Populationskontrolle.
Gerade im Tierschutz ist eine kontrollierte Fortpflanzung entscheidend. Wo viele herrenlose, frei laufende oder nicht kontrolliert gehaltene Hunde leben, können Kastrationsmaßnahmen dazu beitragen, die weitere Vermehrung einzudämmen. Das ist für uns nachhaltiger Tierschutz. Denn es reicht nicht, bereits vorhandene Hunde aufzunehmen, während ständig neue nachkommen. Räumliche, finanzielle und menschliche Kapazitäten sind begrenzt. Irgendwann ist voll. Und dann trifft es nicht diejenigen, die ihren Hund haben decken lassen.
Dann trifft es die Hunde. Auch medizinisch muss vernünftig entschieden werden Bei einer Kastration können neben der Fortpflanzungskontrolle auch gesundheitliche Aspekte eine Rolle spielen. Bei unkastrierten Hündinnen kann beispielsweise eine Pyometra, also eine eitrige Gebärmutterentzündung, auftreten. Sie kann schwer und lebensbedrohlich verlaufen und eine schnelle tierärztliche Behandlung notwendig machen. Weitere Erkrankungen der Fortpflanzungsorgane oder hormonabhängige Erkrankungen können ebenfalls in die tierärztliche Entscheidung einbezogen werden.
Trotzdem behaupten wir nicht, dass eine Kastration für jeden Hund automatisch nur gesundheitliche Vorteile hat oder grundsätzlich möglichst früh durchgeführt werden sollte. Das wäre fachlich nicht sauber.
Alter, Geschlecht, Rasse, Körpergröße, Entwicklungsstand, Gesundheitszustand und individuelle Veranlagung müssen berücksichtigt werden. Besonders bei jungen, großen und spätreifen Hunden gehört der geeignete Zeitpunkt vernünftig beurteilt.
Kastration bedeutet für uns also nicht: Hauptsache schnell.
Sie bedeutet: Fortpflanzung verhindern und den Eingriff für den einzelnen Hund medizinisch verantwortungsvoll planen.
Und nein, Kastration ersetzt kein Training
Ein traumatisierter, unsicherer, schlecht sozialisierter oder unerzogener Hund wird durch eine Kastration nicht plötzlich unkompliziert.
Hormone können bestimmte Verhaltensweisen beeinflussen. Angst, fehlende Sozialisation, schlechte Erfahrungen oder erlerntes Verhalten werden dadurch aber nicht einfach gelöscht.
Dafür braucht es eine fachgerechte Einschätzung und vernünftige Arbeit mit dem Hund.
Unsere Meinung ist deshalb eindeutig
Solange Tierheime überfüllt sind, Hunde ausgesetzt werden und Tiere in Tötungsstationen sitzen, weil niemand einen Platz für sie hat, können wir nicht gleichzeitig so tun, als wäre unkontrollierte Vermehrung Privatsache ohne Konsequenzen.
Nein. Die Konsequenzen landen irgendwann bei uns im Tierschutz und vor allem auf dem Rücken der Tiere.
Deshalb würden wir uns klare gesetzliche Regelungen wünschen: Wer nicht unter verantwortungsvollen und kontrollierten Voraussetzungen züchtet, sollte dafür sorgen müssen, dass sein Tier keinen ungewollten Nachwuchs produzieren kann.
Denn am Ende ist es immer der Hund, der für menschliche Gedankenlosigkeit bezahlt.
Und genau deshalb sagen wir es ganz deutlich:
Kastration verhindert nicht jedes Problem im Tierschutz. Aber sie kann verhindern, dass wir eines der größten Probleme immer weiter selbst produzieren: Hunde, für die niemand Verantwortung übernehmen will.
Tierschutz heißt für uns nicht nur retten. Tierschutz heißt auch, endlich aufzuhören, vermeidbares Leid zu produzieren.