Aslan musste operiert werden! 205€/800€. Mehr dazu unter "Tiernotfälle"
JETZT REDEN WIR MAL KLARTEXT!
Ein Thema, mit dem wir hier im Tierschutz seit vielen Jahren zu tun haben und bei dem teilweise so viele unterschiedliche Dinge erzählt werden, dass am Ende kaum noch jemand weiß, was eigentlich Sache ist.
Deshalb möchte ich euch heute einmal erklären, was Herzwurm überhaupt bedeutet, was dabei im Körper eines Hundes passiert und warum wir aufgrund unserer eigenen Erfahrungen bei der Behandlung eine ganz klare Haltung haben.
Und eines gleich vorweg:
Ein Herzwurm-positiver Hund ist NICHT automatisch ein todkranker Hund!
Also bitte nicht sofort in Panik verfallen, wenn irgendwo „Herzwurm positiv“ steht.
Viele dieser Hunde können bei vernünftiger Diagnostik, Behandlung und Kontrolle noch ein langes und wunderschönes Leben führen. ❤️
Aber Herzwurm ist eben auch nichts, wo man irgendeine Tablette in den Hund steckt und drei Tage später ist alles erledigt.
So funktioniert das nicht.
WIE BEKOMMT EIN HUND HERZWÜRMER?
Herzwürmer, medizinisch Dirofilaria immitis, werden durch Stechmücken übertragen.
Eine Mücke nimmt bei einem infizierten Tier sogenannte Mikrofilarien auf. In der Mücke entwickeln sich diese weiter. Beim nächsten Stich können infektiöse Larven auf einen anderen Hund übertragen werden.
Im Körper entwickeln sie sich weiter und die erwachsenen Herzwürmer befinden sich schließlich hauptsächlich in den Lungenarterien. Bei einem schweren Befall können sie auch bis in die rechte Herzhälfte und große herznahe Gefäße gelangen.
Und jetzt stellt euch einmal vor, was da tatsächlich im Hund sitzen kann:
Ein ausgewachsener Herzwurm kann bis ungefähr 30 Zentimeter lang werden.
Wir reden hier also nicht von irgendeinem kleinen Würmchen, das irgendwo ein bisschen herumkrabbelt.
DAS TÜCKISCHE DARAN
Ihr könnt einen Herzwurm-positiven Hund vor euch stehen haben und ihm zunächst überhaupt nichts ansehen.
Er frisst.
Er spielt.
Er rennt.
Er freut sich seines Lebens.
Und trotzdem können Herzwürmer vorhanden sein.
Je weiter die Erkrankung fortschreitet und je höher die Wurmlast ist, desto eher können Symptome auftreten wie Husten, schnelle Erschöpfung, Atemprobleme, Gewichtsverlust oder allgemeine Schwäche.
Bei einem schweren Befall können insbesondere die Lunge, die Lungengefäße und schließlich auch das Herz massiv geschädigt werden.
Deshalb muss man Herzwurm ernst nehmen.
Ernst nehmen heißt für mich aber nicht, in Panik zu verfallen
POSITIVER TEST – UND DANN?
Für mich reicht ein:
„Test positiv. Jetzt behandeln wir.“
nicht aus. Dann möchte ich wissen, was tatsächlich in diesem Hund los ist.
Wie ist sein Allgemeinzustand?
Sind Mikrofilarien vorhanden?
Wie sehen Herz und Lunge aus?
Gibt es bereits Veränderungen?
Wie schwer ist die Erkrankung?
Je nach Hund und Befund können deshalb weitere Blutuntersuchungen, Röntgen oder ein Herzultraschall notwendig sein.
Denn ich behandle keinen Laborzettel. Ich behandle den Hund, der vor mir steht.
UND JETZT KOMMEN WIR ZU EINEM PUNKT, BEI DEM WIR EINE GANZ KLARE HALTUNG HABEN
Zur Behandlung erwachsener Herzwürmer wird auch in Deutschland die sogenannte adultizide Spritzenbehandlung mit dem Wirkstoff Melarsomin eingesetzt.
Dieser Wirkstoff wird tief in die Muskulatur gespritzt und dient dazu, die erwachsenen Herzwürmer innerhalb eines vergleichsweise kurzen Behandlungszeitraums abzutöten.
Und genau hier muss man verstehen, was danach im Körper passiert.
Denn diese Würmer bekommen die Spritze natürlich nicht und sind anschließend auf wundersame Weise verschwunden.
Sie sterben ab.
Und die abgestorbenen Würmer beziehungsweise deren Bestandteile müssen anschließend vom Körper abgebaut werden.
Dabei können Wurmreste kleinere Äste der Lungenarterien blockieren. Dadurch können sogenannte pulmonale Thromboembolien entstehen.
Und das kann verdammt ernst und im schlimmsten Fall lebensbedrohlich werden.
Genau deshalb gehört bei dieser Behandlung eine sehr strenge und lang andauernde Bewegungseinschränkung dazu.
Und mit ruhig meine ich nicht:
Heute gehen wir statt einer Stunde nur eine halbe Stunde spazieren.
Nein.
Da reden wir wirklich von einer massiven Einschränkung über Wochen. Kein Rennen, kein wildes Toben und keine unnötige körperliche Belastung.
WARUM WIR PERSÖNLICH VON DIESER SPRITZENBEHANDLUNG ABRATEN
Und jetzt erzähle ich euch nicht, was ich irgendwo im Internet gelesen habe.
Jetzt erzähle ich euch, was wir selbst erlebt haben.
Wir haben Hunde vermittelt, die Herzwurm-positiv waren und bei denen wir bereits mit unserer Behandlung gearbeitet haben.
Diese Hunde sind nicht einfach ohne Informationen von uns gegangen.
Wir haben unseren Behandlungsplan und die entsprechenden Medikamente mitgegeben und genau erklärt, wie wir diese Hunde behandeln.
Später wurde bei diesen Hunden auf die Spritzenbehandlung mit Melarsomin umgestellt.
Und wir mussten erleben, dass Hunde wenige Tage nach dieser Behandlung an den Folgen der Behandlung verstorben sind.
Das ist etwas, das man nicht einfach vergisst.
Denn wir kannten diese Hunde.
Wir haben sie gerettet.
Wir haben sie behandelt.
Wir haben sie in ein neues Leben vermittelt.
Und dann erfährst du, dass die Behandlung geändert wurde und der Hund wenige Tage nach dieser Spritze verstorben ist.
Genau solche Erfahrungen sind der Grund, warum wir für unsere Hunde eine klare Entscheidung getroffen haben.
Wir persönlich gehen diesen Weg nicht und wir raten aufgrund unserer Erfahrungen von dieser Spritzenbehandlung ab.
Das bedeutet nicht, dass ich behaupte, jeder Hund würde an Melarsomin sterben.
Natürlich nicht.
Aber das Risiko schwerer Komplikationen durch das Absterben adulter Herzwürmer ist bekannt.
Und wenn ich selbst erlebt habe, dass Hunde nach dieser Behandlung verstorben sind, dann darf und werde ich daraus für unsere Hunde meine Konsequenzen ziehen.
UND WIE BEHANDELN WIR?
Auch daraus mache ich kein Geheimnis.
Wir arbeiten bei unseren Herzwurm-positiven Hunden, natürlich immer abhängig vom jeweiligen Hund, seinem Zustand und seinen Befunden, mit Prednisolon, Doxycyclin, Moxiclear oder Advocate.
Und hier liegt für uns ein ganz entscheidender Unterschied.
Bei unserem Behandlungsweg werden die adulten Herzwürmer nicht innerhalb eines kurzen Behandlungszeitraums abgetötet, sondern sterben über einen wesentlich längeren Zeitraum nach und nach ab.
Und genau mit diesem Vorgehen haben wir über viele Jahre unsere Erfahrungen gesammelt.
Unsere Hunde leben während dieser Zeit bei uns.
Sie leben in ihren Rudeln.
Sie bewegen sich.
Sie spielen.
Sie sind Hunde.
Und wir haben in all den Jahren bei unseren so behandelten Hunden keine Probleme erlebt, bei denen ein Hund durch normale Bewegung, Spielen oder körperliche Anstrengung eine akute Komplikation erlitten hätte.
Das ist unsere persönliche Erfahrung aus vielen Jahren.
Und genau diese Erfahrung gehört für mich genauso in eine vernünftige Aufklärung wie das, was in einem Lehrbuch steht.
Trotzdem sage ich nicht:
„Ein Herzwurm-positiver Hund kann grundsätzlich Vollgas geben und es kann überhaupt nichts passieren.“
Natürlich nicht.
Ein Hund mit massivem Befall und bereits geschädigtem Herz oder geschädigter Lunge muss völlig anders beurteilt werden als ein symptomfreier Hund mit einem anderen Befund.
Deshalb schauen wir uns jeden einzelnen Hund an.
HERZWURM POSITIV HEISST NICHT HOFFNUNGSLOS!
Und genau das möchte ich den Menschen wirklich in den Kopf setzen.
Bitte schaut keinen Herzwurm-positiven Hund an und denkt:
„Um Gottes willen, den kann ich nicht adoptieren.“
Nein!
Diese Hunde haben genauso eine Chance verdient.
Herzwurm positiv bedeutet nicht automatisch, dass dieser Hund morgen tot umfällt.
Es bedeutet:
Dieser Hund braucht eine vernünftige Diagnostik.
Er braucht eine Behandlung, die zu seinem Zustand passt.
Er braucht Kontrollen.
Und er braucht Menschen, die das Thema ernst nehmen, ohne völlig hysterisch zu werden.
Nicht mehr und nicht weniger.
VORBEUGUNG IST VERDAMMT WICHTIG
Gerade in Regionen, in denen Herzwurm vorkommt, muss man sich auch mit der Vorbeugung beschäftigen.
Denn natürlich ist es am besten, wenn sich übertragene Larven gar nicht erst zu erwachsenen Herzwürmern entwickeln können.
Welche Präparate dafür beim jeweiligen Hund sinnvoll sind und in welchen Abständen sie angewendet werden, gehört vernünftig mit einem Tierarzt abgestimmt.
Und bitte nicht:
„Tante Erna auf Facebook gibt ihrem Hund das auch.“
Herzwurm ist eine ernst zu nehmende Erkrankung und kein Thema für irgendwelche Experimente.
MEIN FAZIT
Herzwurm macht mir keine Angst.
Aber ich habe verdammt großen Respekt davor.
Und das ist ein gewaltiger Unterschied.
Wir retten seit vielen Jahren Hunde aus Regionen, in denen Herzwurm vorkommt.
Wir haben positive Hunde gesehen.
Wir haben sie behandelt.
Wir haben sehr gute Verläufe erlebt.
Wir haben andere Behandlungswege gesehen.
Und leider haben wir auch erlebt, dass Hunde nach einer Behandlung verstorben sind.
Deshalb gibt es für mich bei Herzwurm kein blindes Schema F.
Ich möchte wissen, was dieser Hund hat.
Ich möchte wissen, wie schwer der Befall ist.
Ich möchte wissen, wie Herz und Lunge aussehen.
Ich möchte wissen, wie sein Allgemeinzustand ist.
Und dann wird entschieden, welcher Weg für diesen einen Hund der richtige ist.
Denn am Ende interessiert mich nicht, ob möglichst schnell auf irgendeinem Stück Papier steht:
HERZWURMFREI.
Mich interessiert der Hund, der vor mir steht.
Und unser Ziel ist nicht, irgendwelche Würmer um jeden Preis möglichst schnell totzubekommen.
Unser Ziel ist, dass der Hund die Erkrankung und seine Behandlung gut übersteht, Lebensqualität hat und anschließend noch verdammt viele schöne Jahre vor sich hat.
Denn genau darum geht es am Ende. Um den Hund. Und um nichts anderes.