Aslan musste operiert werden! 205€/800€. Mehr dazu unter "Tiernotfälle"
Weil ich über viele Jahre erlebt habe, was eine gut geführte, sozial strukturierte Hundegruppe leisten kann. Und zwar Dinge, die wir Menschen trotz Erfahrung und Fachwissen nur begrenzt ersetzen können. Mit dem Thema Rudelhaltung ist allerdings schon so mancher Hundetrainer überfordert. Denn hier reden wir nicht von zwei oder drei Hunden, die gemeinsam über eine Wiese laufen. Bei uns leben in verschiedenen, gezielt zusammengestellten Rudeln unterschiedlichste Charaktere und Rassen zusammen: Herdenschutzhunde, Dackel, Mischlinge, Schäferhunde und vor allem viele Hunde nordischer Herkunft. Das ändert aber nichts daran, dass hier jeder Hund den gleichen Wert hat. Wir leben auf mehr als einem Hektar wunderschönem Waldgebiet. Die Hunde haben Platz, Bewegung, Sozialkontakte, Rückzugsmöglichkeiten und vor allem eines: ein Leben innerhalb einer funktionierenden Sozialstruktur.
Und genau da liegt für mich der entscheidende Punkt. Sozialisation findet nicht ausschließlich durch den Menschen statt. Wir Menschen können einen Hund sozialisieren, resozialisieren, anleiten und ihm Sicherheit geben. Aber die innerartliche Kommunikation zwischen Hunden können wir niemals vollständig ersetzen. Hunde kommunizieren permanent miteinander. Über Körpersprache, Mimik, Distanzverhalten, Blickkontakt, Bewegungsmuster, Geruch und feinste körpersprachliche Signale.
Ein sozial kompetentes Rudel gibt einem neuen Hund unmittelbar Rückmeldung: Was ist angemessen? Wo sind Grenzen? Wie nähere ich mich? Wann halte ich Abstand? Wie gehe ich mit Ressourcen um? Wie löse ich Konflikte, ohne sie eskalieren zu lassen?
Das ist soziales Lernen unter Artgenossen. Ein gut funktionierendes Rudel heißt einen neuen Hund nicht einfach blind willkommen.
Es beobachtet ihn, kommuniziert mit ihm, setzt Grenzen und gibt ihm gleichzeitig die Möglichkeit, seinen Platz innerhalb der Gruppe zu finden. Und dann beginnt der eigentliche Lernprozess. Ich kann mit einem Hund in meine drei sozial stabilsten Rudel hineingehen und ihn dort kontrolliert integrieren. Nicht, weil ich irgendeine Zauberformel besitze, sondern weil ich meine Hunde kenne, ihre Körpersprache lesen kann und weiß, welche Charaktere miteinander funktionieren. Kontrollierte Rudelhaltung bedeutet nicht: Tür auf und macht mal! Genau das wird häufig völlig falsch verstanden. Eine funktionierende Rudelhaltung braucht Management, Erfahrung, Beobachtung, klare Strukturen, passende Gruppenzusammenstellung, Ressourcenmanagement und frühzeitige Konflikterkennung. Dazu braucht es sozial kompetente Hunde, die klar und sauber kommunizieren. Und genauso braucht es einen Menschen, der diese Kommunikation versteht und nicht erst reagiert, wenn eine Situation bereits eskaliert ist. Auch einige meiner Hunde mussten das erst lernen.
Natürlich gibt es hier auch mal Stunk. Irgendwem sitzt der berühmte Furz quer, einer findet den anderen gerade unnötig oder eine Ressource plötzlich besonders wichtig. Das ist normales Sozialverhalten.
Entscheidend ist nicht, dass niemals ein Konflikt entsteht. Entscheidend ist, wie Konflikte reguliert werden und ob der Mensch erkennt, wann er eingreifen muss.
Bei einer stabilen Gruppe reicht häufig schon eine klare Ansprache und das Thema ist erledigt.
Und dann höre ich immer wieder:
„So viele Hunde können nicht zusammenleben.“
„Das kann gar nicht funktionieren.“
„Um so viele Hunde kann man sich unmöglich kümmern.“
„Rudelhaltung funktioniert nicht.“
Warum eigentlich nicht?
Natürlich kann sie funktionieren.
Aber eben nicht dadurch, dass man viele Hunde einfach zusammensetzt. Sie funktioniert, wenn der Mensch weiß, was er tut, seine Gruppen kennt und Verantwortung übernimmt. Und nein, ich halte Einzelhaltung nicht automatisch für die bessere Lösung.
Hunde sind hochsoziale Lebewesen. Ihre Domestikationsgeschichte geht auf den Wolf zurück, gleichzeitig ist der Haushund heute eine eigene domestizierte Form mit einem stark ausgeprägten Sozialverhalten gegenüber Artgenossen und Menschen.
Deshalb braucht ein Hund nicht zwangsläufig ein riesiges Rudel. Aber für viele Hunde sind stabile Sozialkontakte, gemeinsames Verhalten und innerartliche Kommunikation wichtige Bestandteile ihres Wohlbefindens. Genau deshalb ist klassische Zwingerhaltung nicht meine Welt. Natürlich besitzen auch wir separate Anlagen. Sie werden beispielsweise für Neuankömmlinge, medizinische Gründe, Quarantäne oder eine kontrollierte Eingewöhnung benötigt.
Aber unser grundsätzliches Ziel ist die Vergesellschaftung in passenden Gruppen und möglichst viel Freiheit. Natürlich kann man einen Hund einzeln unterbringen und dadurch bestimmte Risiken reduzieren. Aber Sicherheit bedeutet für mich nicht nur, Verletzungen zu verhindern. Zur Lebensqualität gehören genauso soziale Interaktion, Bewegung, Umweltreize, Bindung, Rückzugsmöglichkeiten, Beschäftigung und Geborgenheit. Kontrollierte Rudelhaltung bedeutet mehr Arbeit.
Man muss beobachten.
Man muss seine Hunde kennen.
Man muss Veränderungen im Verhalten erkennen.
Man muss wissen, welcher Hund Ressourcen verteidigt, wer Distanz braucht, wer Unsicherheit überspielt, wer Konflikte schlichtet und wer in Situationen eher hochfahren könnte.
Man muss Gruppendynamik lesen können.
Genau DAS ist die Arbeit dahinter.
Viele Einrichtungen sind nur zu bestimmten Zeiten personell besetzt. Danach verbringen die Tiere viele Stunden ohne unmittelbare menschliche Betreuung.
Bei uns ist das anders.
Hier ist 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche und 365 Tage im Jahr jemand vor Ort.
Ich beobachte diese Hunde nicht eine Stunde auf einem Trainingsplatz. Ich lebe mit ihnen.
Ich sehe ihre Kommunikation morgens, mittags, abends und nachts. Ich sehe Freundschaften entstehen, Unsicherheiten verschwinden, Grenzen entstehen und Hunde lernen, wieder vernünftig mit Artgenossen zu kommunizieren.
Und deshalb lasse ich mir nach all diesen Jahren auch nicht von selbsternannten Fachleuten erzählen, dass etwas grundsätzlich „unmöglich“ sei, nur weil es außerhalb ihres eigenen Erfahrungshorizonts liegt.
Hundetraining mit einem einzelnen Mensch-Hund-Team ist eine Sache. Eine größere soziale Hundegruppe zu führen, Gruppendynamiken einzuschätzen, Konfliktpotenziale frühzeitig zu erkennen und Neuankömmlinge kontrolliert zu integrieren, ist eine völlig andere Disziplin. Beides verlangt Fachwissen. Aber das eine macht jemanden nicht automatisch zum Experten für das andere.
Bei uns funktioniert die kontrollierte Rudelhaltung sehr gut. Nicht durch Zufall und nicht, weil hier alles sich selbst überlassen wird.
Sondern durch Erfahrung, Beobachtung, Struktur, Konsequenz und jahrelanges Leben mit diesen Tieren.
Anderen Menschen Fähigkeiten abzusprechen, nur weil man selbst diese Form der Haltung nicht beherrscht oder nicht kennt, hat mit Fachlichkeit wenig zu tun.
Und zum Schluss möchte ich mich bei all den Menschen bedanken, die uns und unsere Arbeit unterstützen, uns vertrauen und sehen, was hier jeden Tag geleistet wird.
Wir müssen niemandem beweisen, dass es funktioniert.
Unsere Hunde zeigen es uns jeden einzelnen Tag.